Stellen Sie sich vor, Sie ler­nen ger­ade Englisch und lesen zum ersten Mal die Wörter “bury” und “busy”. Bei­de fan­gen mit “bu-” an, also müssten sie sich doch ähn­lich anhören, oder? Falsch. “bury” reimt sich auf “berry” (/ˈberi/), “busy” dage­gen auf “dizzy” (/ˈbɪzi/) – und bei­de haben nichts mit dem “u” gemein, das man aus “put” oder “cut” ken­nt. Willkom­men in der englis­chen Rechtschrei­bung, in der ein und der­selbe Buch­stabe je nach Wort völ­lig unter­schiedlich klin­gen kann.

Der Grund dafür ist his­torisch: Als im 15. und 16. Jahrhun­dert der Buch­druck aufkam, wurde die englis­che Schrei­bung nach und nach vere­in­heitlicht und qua­si einge­froren. Die Aussprache hat sich seit­dem aber deut­lich weit­er­en­twick­elt – vor allem durch den soge­nan­nten Great Vow­el Shift, bei dem sich fast alle lan­gen Vokale des Englis­chen ver­schoben haben. Das Ergeb­nis: Wörter, die vor 500 Jahren noch so klan­gen, wie sie geschrieben wer­den, tun das heute oft nicht mehr.

Beson­ders schön – oder beson­ders grausam, je nach Per­spek­tive – zeigt sich das an ein paar Wort­fam­i­lien, die auf den ersten Blick fast iden­tisch ausse­hen, sich aber kom­plett unter­schiedlich anhören:

  • Die Wörter combtombbomb und womb enden alle auf “-omb”. Man kön­nte meinen, sie reimen sich. Tun sie aber nicht: /kəʊm/, /tuːm/, /bɒm/, /wuːm/ – vier Wörter, drei ver­schiedene Vokale. Hinzu kommt: Das “b” am Ende wird in keinem einzi­gen dieser Wörter gesprochen – ein Detail, das selb­st fort­geschrit­te­nen deutschen Lern­ern oft nicht bewusst ist.
  • Noch dreis­ter treibt es die Buch­stabenkom­bi­na­tion “ough”: thoughthroughthoughttoughcoughbough und thor­ough zeigen zusam­men sage und schreibe sieben ver­schiedene Aussprachen der­sel­ben vier Buch­staben. Kein Wun­der, dass sich Englis­chlern­er weltweit über “ough” die Haare raufen.
  • Auch “au” hält eine Über­raschung parat: Während laughauntcauseauthor und sausage sich wenig­stens noch grob in zwei, drei Laut­grup­pen ein­sortieren lassen, tanzt gauge (/ɡeɪdʒ/) völ­lig aus der Rei­he – ein Wort, bei dem man die Aussprache beim besten Willen nicht errat­en kann.
  • Und dann gibt es noch echte Einzel­gänger: colonel wird /ˈkɜːnl/ aus­ge­sprochen – klingt also wie “ker­nel” und hat mit sein­er Schrei­bung fast nichts mehr zu tun. Oder women, wo das “o” für den Laut /ɪ/ ste­ht, während die Ein­zahl “woman” ganz anders klingt.

All das ist kein Zufall und kein Fehler – es ist gelebte Sprachgeschichte. Und damit sie nicht bei jedem einzel­nen Wort rat­en müssen, haben wir im Fol­gen­den sys­tem­a­tisch aufgeschlüs­selt, welche Vokal-Laute im Englis­chen mit welchen Schreib­weisen ein­herge­hen – und mit welchen eben nicht.

Kurze Monophthonge (Einzelvokale)

/ɪ/ (KIT)

Schreib­weiseBeispielIPA
isit, big/sɪt/, /bɪɡ/
ygym, myth/dʒɪm/, /mɪθ/
epret­ty/ˈprɪti/
owomen/ˈwɪmɪn/
ubusy, minute (Zeit­ein­heit)/ˈbɪzi/, /ˈmɪnɪt/
uibuild/bɪld/
iesieve/sɪv/

/e/ (DRESS)

Schreib­weiseBeispielIPA
ebed, pen/bed/, /pen/
eabread, head, dead/bred/, /hed/, /ded/
amany, any/ˈmeni/, /ˈeni/
ubury, bur­ial/ˈberi/, /ˈberiəl/
iefriend/frend/
eoleop­ard, jeop­ardy/ˈlepəd/, /ˈdʒepədi/
aysays/sez/

/æ/ (TRAP)

Schreib­weiseBeispielIPA
acat, bad/kæt/, /bæd/
aiplaid/plæd/

/ɒ/ (LOT)

Schreib­weiseBeispielIPA
ohot, dog/hɒt/, /dɒɡ/
awhat, want, wash, swan/wɒt/, /wɒnt/, /wɒʃ/, /swɒn/
oucough/kɒf/
ausausage/ˈsɒsɪdʒ/
owknowl­edge/ˈnɒlɪdʒ/

/ʌ/ (STRUT)

Schreib­weiseBeispielIPA
ucup, sun/kʌp/, /sʌn/
olove, son, month, moth­er/lʌv/, /sʌn/, /mʌnθ/, /ˈmʌðə/
ooblood, flood/blʌd/, /flʌd/
ouyoung, touch, coun­try, dou­ble/jʌŋ/, /tʌtʃ/, /ˈkʌntri/, /ˈdʌbl/

/ʊ/ (FOOT)

Schreib­weiseBeispielIPA
uput, full/pʊt/, /fʊl/
oobook, good/bʊk/, /ɡʊd/
owolf, woman/wʊlf/, /ˈwʊmən/
oucould, would, should/kʊd/, /wʊd/, /ʃʊd/

/ə/ (schwa, unbetont – kommt praktisch mit jedem Vokalbuchstaben vor)

Schreib­weiseBeispielIPA
aabout, sofa/əˈbaʊt/, /ˈsəʊfə/
etak­en, moment/ˈteɪkən/, /ˈməʊmənt/
ipen­cil, pos­si­ble/ˈpensəl/, /ˈpɒsəbl/
olemon, con­trol/ˈlemən/, /kənˈtrəʊl/
ufocus, sup­port/ˈfəʊkəs/, /səˈpɔːt/
oufamous, jeal­ous/ˈfeɪməs/, /ˈdʒeləs/
arpar­tic­u­lar, dol­lar/pəˈtɪkjələ/, /ˈdɒlə/

Soviel zur Ein­führung zum The­ma. Im näch­sten Beitrag stellen wie Beispiele für die lan­gen Monoph­thonge (Einzel­vokale) vor.