Heute soll es ein weit­eres Mal um Empfehlun­gen aus dem Stil­hand­buch The Ele­ments of Style von William Strunk Jr. und E. B. White gehen. Eine der wichtig­sten Regeln darin lautet:

“Express co-ordi­nate ideas in sim­i­lar form.”

Auf Deutsch kön­nte man sagen:

Drücke gle­ichrangige Gedanken in ein­er ähn­lichen Form aus.

Gemeint ist das Prinzip des Par­al­lelis­mus (par­al­lel con­struc­tion).
Wenn zwei oder mehr Dinge dieselbe Funk­tion im Satz haben, soll­ten sie auch gram­ma­tisch gle­ich aufge­baut sein.

Das klingt zunächst the­o­retisch, macht Texte aber sofort klar­er, ele­gan­ter und pro­fes­sioneller.

Warum ist Parallelismus wichtig?

Leser ver­ste­hen Infor­ma­tio­nen schneller, wenn ähn­liche Gedanken auch ähn­lich for­muliert sind.

Ver­gle­ichen wir diese bei­den Sätze:

❌ For­mer­ly, sci­ence was taught by the text­book method, while now the lab­o­ra­to­ry method is employed.

✅ For­mer­ly, sci­ence was taught by the text­book method; now it is taught by the lab­o­ra­to­ry method.

Im zweit­en Satz erken­nt man sofort die Struk­tur:

  • früher → wurde unter­richtet
  • heute → wird unter­richtet

Die Form ist sym­metrisch. Dadurch wirkt der Satz klar und sich­er.


Typische Fehler beim Parallelismus

1. Unterschiedliche Satzformen mischen

Oft wer­den Forme vari­iert, um Wieder­hol­un­gen zu ver­mei­den. Das Ergeb­nis wird oft unklar.

Beispiel

❌ The cer­e­mo­ny was long and had a lot of tedious parts.

✅ The cer­e­mo­ny was long and tedious.

Bei­de Adjek­tive fol­gen der­sel­ben Struk­tur.


Artikel und Präpositionen konsequent verwenden

Wenn mehrere Ele­mente in ein­er Rei­he ste­hen, sollte die Gram­matik kon­sis­tent sein.

Artikel

❌ The French, the Ital­ians, Span­ish, and Por­tuguese

✅ The French, the Ital­ians, the Span­ish, and the Por­tuguese

Oder alter­na­tiv ganz ohne Wieder­hol­ung:

✅ French, Ital­ians, Span­ish, and Por­tuguese

Wichtig ist die Ein­heitlichkeit.


Präpositionen

❌ In spring, sum­mer, or in win­ter

Hier begin­nt die Rei­he mit ein­er Prä­po­si­tion (in), später taucht sie erneut auf.

Bess­er:

✅ In spring, sum­mer, or win­ter

oder

✅ In spring, in sum­mer, or in win­ter

Bei­des ist kor­rekt — Haupt­sache par­al­lel.


Parallelismus bei „both … and“, „either … or“, „not only … but also“

Beson­ders wichtig ist die Regel bei soge­nan­nten kor­rel­a­tiv­en Aus­drück­en.

both … and

❌ The movie was both bor­ing and it was too long.

✅ The movie was both bor­ing and too long.

Nach both fol­gen zwei Adjek­tive.


not … but

❌ This is not a time for excus­es, but action.

✅ This is not a time for excus­es, but for action.

Bei­de Teile begin­nen mit for.


either … or

❌ Either you must apol­o­gize or los­ing your job.

✅ Either you must apol­o­gize or lose your job.

Oder noch ele­gan­ter:

✅ You must either apol­o­gize or lose your job.

Bei­de Ver­ben ste­hen im Infini­tiv.


not only … but also

❌ She not only speaks Span­ish but also Ger­man flu­ent­ly.

Das ist nicht kom­plett falsch, klingt aber unaus­ge­wogen.

Bess­er:

✅ She speaks not only Span­ish but also Ger­man flu­ent­ly.

oder:

✅ She not only speaks Span­ish but also speaks Ger­man.


Parallelismus in Aufzählungen

Ger­ade bei Lis­ten ist par­al­lele Struk­tur extrem wichtig.

Uneinheitliche Liste

❌ Our goals are improv­ing cus­tomer ser­vice, low­er costs, and that employ­ee morale increas­es.

Hier wer­den drei ver­schiedene Kon­struk­tio­nen gemis­cht:

  • Gerundi­um
  • Sub­stan­tivphrase
  • Neben­satz

Bess­er:

✅ Our goals are improv­ing cus­tomer ser­vice, low­er­ing costs, and increas­ing employ­ee morale.

Jet­zt haben alle drei Punk­te dieselbe Form.


Warum gute Autoren Parallelismus lieben

Par­al­lelis­mus macht Texte:

  • leichter les­bar
  • rhyth­mis­ch­er
  • überzeu­gen­der
  • pro­fes­sioneller

Deshalb find­et man ihn über­all:

  • in Reden
  • in Wer­bung
  • in jour­nal­is­tis­chen Tex­ten
  • in der Bibel
  • in poli­tis­chen Slo­gans

Berühmtes Beispiel:

gov­ern­ment of the peo­ple, by the peo­ple, for the peo­ple

Die Wieder­hol­ung der Struk­tur macht den Satz ein­prägsam.


Muss wirklich alles parallel sein?

Nein. Zu viel Par­al­lelis­mus kann monot­on wirken.

Strunk und White weisen selb­st darauf hin, dass man lange Lis­ten sin­nvoll grup­pieren sollte, statt zwanzig iden­tis­che Sätze hin­tere­inan­der zu schreiben.

Die Regel bedeutet also nicht:

„Jed­er Satz muss gle­ich ausse­hen.“

Son­dern:

„Gle­ichrangige Gedanken soll­ten gle­ich gebaut sein.“


Praktischer Tipp für Englischlernende

Wenn Sie einen Satz schreiben, fra­gen Sie sich:

Haben diese Wörter oder Satzteile dieselbe Funk­tion?

Wenn ja, prüfen Sie:

  • Haben sie dieselbe gram­ma­tis­che Form?
  • Begin­nen sie gle­ich?
  • Enden sie ähn­lich?
  • Ver­wende ich dieselbe Wor­tart?

Das ist oft der schnell­ste Weg zu natür­licherem Englisch.


Fazit

Die Regel “Express co-ordi­nate ideas in sim­i­lar form” gehört zu den wichtig­sten Stil­regeln im Englis­chen.

Par­al­lelis­mus hil­ft Lesern, Zusam­men­hänge sofort zu erken­nen. Gute englis­che Texte wirken dadurch klar, ele­gant und überzeu­gend.

Die Grun­didee ist ein­fach:

Ähn­liche Gedanken → ähn­liche Form

Wer darauf achtet, schreibt automa­tisch besseres Englisch.